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20 / Das Beginenwesen in Spätmittelalter und Früher Neuzeit

Jörg Voigt / Bernward Schmidt / Marco A. Sorace (Hrsg.)

2015 370 Seiten, gebunden

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68,00 CHF

978-3-7278-1781-6

Der Sammelband präsentiert zunächst die Herausbildung und Etablierung des Beginenwesens als Frömmigkeitsform sui generis im 13. Jahrhundert (Voigt). Da Herkunft und Bedeutung des Begriffs „Begine“ bisher äußerst kontrovers diskutiert wurden, präsentieren ein Onomastiker und ein Historiker Überlegungen zu einer Etymologie und zur historischen Bedeutung des Begriffs (Udolph / Voigt). Den Blick in die Frühe Neuzeit wirft ein weiterer Aufsatz, der nicht nur den überschaubaren Forschungsstand zusammenfasst, sondern auch neue Perspektiven eröffnet (Priesching).

Aufgrund der ausgeprägten lokalen und regionalen Eigenheiten des Beginenwesens bietet es sich an, auch im geplanten Band auf diese Ebene einzugehen und unter anderem zu fragen, ob etwa die Beschlüsse des Konzils von Vienne tatsächlich im Sinne einer Unterdrückung von Beginen bzw. ihrer Eingliederung in die dritten Orden der Mendikanten eingesetzt wurden. Intensive Quellenstudien und neue Fragestellungen prägen schon die Studien zu Koblenz (Wegner) und zum Elsass bzw. zur Oberrhein-Region (Clementz, Mulder-Bakker). Während sich das Beginenwesen am Rhein bereits seit längerer Zeit der Aufmerksamkeit der Forschung erfreut, nicht zuletzt durch die Beiträge Alexander Patschovskys, werden in unserem Band auch bislang selten berücksichtigte Städte und Regionen bearbeitet: Franken (Hien), Braunschweig (Sandfort), Osnabrück (Igel) und Hamburg (Schmitt, Stork). Zudem wird die Notwendigkeit von Bezügen zwischen historischer Beginenforschung und der architekturhistorischen Untersuchung von Beginenhöfen betont (Sorace).

Von besonderer Bedeutung ist darüber hinaus die Weitung des Untersuchungszeitraums und die Einbeziehung des frühneuzeitlichen Beginenwesens, das bislang allenfalls für den belgisch-niederländischen Raum bearbeitet wurde (Sandfort, Schmidt). Schließlich stehen Rezeptionsprozesse im Zentrum verschiedener Beiträge: Beginen als Rezipientinnen dominikanischer Predigten (Mieth), aber auch die Rezeption von Beginen (Schmidt; Nemes, der mit Akribie die Vorstellung des Beginenstatus von Mechthild von Magdeburg korrigiert) und schließlich das moderne Beginenwesen des 20. Jahrhunderts, das aus der Frauenbewegung hervorgegangen ist und in seinem Rückbezug auf die historischen Beginen kritisch hinterfragt wird (Oehmen-Vieregge).

Der Tagungsband stellt somit den ersten größeren Versuch dar, das spätmittelalterliche und frühneuzeitliche Beginenwesen in Deutschland aus regional differenzierender und übergreifend systematisierender Perspektive zu erfassen und vergleichend zur Diskussion zu stellen. Dabei eröffnen laufende bzw. jüngst abgeschlossene Forschungsprojekte, deren Ergebnisse in den Band einfließen, neue Fragestellungen zu Lebensformen und Stellung des Beginenwesens in der spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Gesellschaft, zu den Kontakten zum Welt- und Ordensklerus, zu Trägern und Förderern des Beginenwesens, zu verschiedenen regionalen und städtischen Ausprägungen sowie zur Rechtsgeschichte dieser Lebensform frommer Frauen. Im Lichte dieser Forschungen kann insbesondere ist die etablierte Forschungsmeinung, bei den Beginen handele es sich eher um eine randständige oder gar für Häresie anfällige Frömmigkeitsform von Frauen, nicht mehr tragfähig. Vielmehr wird deutlich, dass sich das Beginenwesen zu einer eigenen religiösen Lebensform von Frauen entwickelte, die als wichtiger Bestandteil einer allgemeinen Geschichte der Religiosität anzusehen ist. 

 

 

Inhaltsverzeichnis

 

Einleitung der Herausgeber

 

I. Beginen in Spätmittelalter und Früher Neuzeit

Udolph, Jürgen / Voigt, Jörg: Der Begriff Begine aus sprachwissenschaftlicher und historischer Sicht

Voigt, Jörg: Entstehung und Etablierung des Beginenwesens im 13. Jahrhundert

Priesching, Nicole: Das Beginenwesen in der Frühen Neuzeit. Forschungsstand und Forschungsperspektiven

 

II. Regional- und lokalhistorische Perspektiven

Clementz, Elisabeth: Die Beginen im Elsaß – ein Überblick

Wegner, Sigrid: Beginen in Koblenz

Igel, Karsten: Zwischen Konstanz und Wandel. Beginen in Osnabrück

Hien, Hannah: Jenseits der Bettelorden – Das Verhältnis süddeutscher Beginen zu Bischöfen, Weltklerus und traditionellen Orden

Sandfort, Elisabeth: Beginen in Braunschweig. Neue Forschungen zu den Braunschweiger Beginengemeinschaften im Spätmittelalter und in der Frühe Neuzeit

 

III. Spiritualität und Kultur des Beginenwesens

Stork, Hans-Walter: Die Handschriften des Hamburger Beginen-Konventes in den Sammlungen der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg – ein überlieferungsgeschichtlicher Überblick

Schmitt, Christian: Gebetszyklen der Hamburger Beginen im Kontext der Gebetbuchkultur der Lüneburger Frauenklöster

Mieth, Dietmar: Meister Eckharts „Frauenpredigten”

Sorace, Marco: Beginenhöfe im Spätmittelalter. Perspektiven der Architektur- und Kunstgeschichte


IV. Rezeptionsprozesse

Schmidt, Bernward: „Infideles et perversae feminae“. Das Beginen-Bild in der Kirchen- und Konziliengeschichtsschreibung

Nemes, Balázs J.: „sancta mulier nomine Mechthildis“. Mechthild (von Magdeburg) und ihre Wahrnehmung als Religiose im Laufe der Jahrhunderte

Mulder-Bakker, Anneke: An ascetic domestic household am Oberrhein: The case of Gertrud of Ortenberg, Heilke of Staufenberg and their anonymous biographer

Oehmen-Vieregge, Rosel: Beginen im 20. und 21. Jahrhundert – Eine neue religiöse Sozialform?